Castell de les Atzavares
Über der Schlucht des Río Girona thront eine mittelalterliche Festung, als gesicherte Ruine erhalten. Der Zugang führt nur über in den Fels verankerte Ketten zu einem über dem Abgrund hängenden Waffenhof, mit schwindelerregendem Blick ins Vall de Laguar und ganz ohne touristische Beschilderung.
Kurz gesagt: Der Castell de les Atzavares ist eine Ruinenfestung über dem Girona zwischen Pego und dem Vall de Laguar, auf gut 350 Metern Höhe gelegen, deren letztes Stück nur über verankerte Ketten zu einem über dem Abgrund hängenden Innenhof führt. Weder Öffnungszeiten noch Infrastruktur, dafür ein amphitheaterartiger Blick über das Tal — geeignet nur für schwindelfreie Wanderer mit festem Bergschuhwerk.
Warum kennt diesen Ort kaum jemand?
Weil er auf keiner Liste besuchbarer Burgen steht und weil man das Vall de Laguar wegen der 6.000 Stufen der Barranco-del-Infierno-Route besucht, nicht wegen Festungen, hat die Burg auch keine Zufahrtsstraße und keine festen Öffnungszeiten — erreichbar ist sie ausschließlich zu Fuß. Ganz unbekannt ist sie trotzdem nicht: Sie hat einen eigenen Wikipedia-Eintrag, eine Seite auf dem offiziellen Tourismusportal der Comunitat Valenciana und seit 2025 einen zertifizierten Wanderweg (SL-CV 185) — nur zieht sie weit weniger Besucher an als die Burg von Biar oder die Burg von Villena, beide mit Straßenzugang und festen Zeiten. Dieser geringere Andrang bewahrt sie vor Graffiti, verlangt aber, dass man von ihrer Existenz weiß: Von Pego aus ist sie mit bloßem Auge nicht zu sehen, und von Dénia aus versteckt sie der Cavall Verd. Nur wer mit GPS-Track anreist oder dem markierten Weg folgt, begreift, dass hier einst ein hisn den Übergang zwischen Küste und Hinterland bewachte.
Was der Castell de les Atzavares wirklich ist. Ursprünglich ein andalusisches hisn aus dem 12./13. Jahrhundert, später zur christlichen Grenzfestung umgebaut, thront er auf gut 350 Metern Höhe über einem Felssporn, der die Schlucht des Girona zwischen Pego und dem Vall de Laguar beherrscht. Die Anlage folgt mit ihrem unregelmäßigen Grundriss der Form des Sporns und bewahrt Mauerreste aus Stampflehm und Bruchstein, eine Zisterne, Turmreste und einen über dem Nichts hängenden Waffenhof — konsolidiert, aber ohne touristischen Wiederaufbau. Historisch erreichte man sie zu Fuß von den Dörfern Benimaurell, Campell und Fleix aus. Heute führt an derselben Stelle ein mit Stahlketten gesicherter Steig über eine 8 Meter hohe Felsstufe, die ohne diese Hilfe eine Kletterei wäre. Eine Burg mit Öffnungszeiten und Eintritt ist das nicht, durchgehende Geländer oder Beleuchtung fehlen — der Wert liegt im Archäologischen und im Landschaftlichen: Vom Sporn aus liegt das Tal wie ein Amphitheater da, dazu der Montgó und an klaren Tagen die Küste von Dénia.
Wie ist der Aufstieg an den Ketten?
Der Zustieg ist ein Bergpfad mit losem Geröll; die letzte Stufe ist eine geneigte, 8 Meter hohe Felsplatte, gesichert mit zwei chemisch im Fels verankerten Stahlketten, die die Gemeinde Vall de Laguar installiert hat. Eine Klettersteig-Konstruktion ist das nicht, aber ohne die Ketten läge die Kletterstelle ungesichert bei Schwierigkeitsgrad II. Man steigt an der Kette hoch, die Füße auf in den Fels gehauenen Tritten, ohne zusätzliche Bügel. Oben angekommen ist die Burg ein offenes Gelände mit nur hüfthohen Mäuerchen und einem Waffenhof, der 120 Meter über dem Nichts hängt — ohne durchgehendes Geländer, mit kräftigem Wind und echter Absturzgefahr, weshalb Kinder, freilaufende Hunde oder Menschen mit Höhenangst hier nichts verloren haben. Seit dem Jahr 2000 steht die gesamte Anlage als Bien de Interés Cultural unter Denkmalschutz, was jeden Eingriff verbietet, der die gesicherte Ruine verändern würde.
Was sieht man von oben?
Das hufeisenförmige Vall de Laguar mit seinen drei an den Hang geklebten Dörfern Benimaurell, Campell und Fleix liegt einem ebenso zu Füßen wie die eingeschnittene Schlucht des Girona. Im Hintergrund erheben sich der Montgó von Dénia und der Küstenstreifen bis Jávea und Calpe mit dem Peñón de Ifach. Im Osten glänzt die Marjal de Pego-Oliva wie eine silberne Fläche, im Westen schließen die Sierra de Bernia und der Cavall Verd den Horizont. Morgens trifft das Licht das Tal von vorn, nachmittags schneidet es die Burg als Silhouette heraus — beste Bedingungen für Fotos. Ein Fernglas lohnt sich: Gänsegeier kreisen über der Schlucht, und im Frühling ziehen Habichtsadler aus dem Naturpark der Marjal ihre Kreise.
Wie kommt man hin, ohne sich zu verfahren?
Von Pego aus führt die CV-715 ins Vall de Laguar, weiter bis Campell — dem Ausgangspunkt des lokalen Wanderwegs SL-CV 185 (Sender del Castell de les Atzavares). Er führt über Kettenabschnitte zur Festung hinauf und zieht danach weiter nach Orba: 9,5 km und 529 Höhenmeter für die komplette Strecke, deutlich weniger, wer nur zur Burg auf- und auf demselben Weg wieder absteigt. Von Benimaurell aus gibt es einen direkteren Zustieg über den Grat, mit zusätzlicher Kletterei. Einen Bus gibt es nicht: Die Linie von Alicante hält in Pego, von dort geht es nur mit Taxi oder eigenem Auto weiter. Aus Alcoi oder Guadalest rechne mit 1 Std. 15 Min. über die Berge; wer ein Doppel an Festungen sucht, kombiniert am besten mit dem Castell d'Ambra oder der Atalaia von Xaló. Dünne Handschuhe für die Kette, ein Helm bei größeren Kindern und 1 Liter Wasser gehören ins Gepäck — beim Aufstieg gibt es keine Quelle.
Zu Fuß ab Campell (SL-CV 185)
- Entfernung: Teil eines 9,5 km langen Wegs bis Orba; nur der Aufstieg zur Burg ist deutlich kürzer
- Höhenunterschied: 529 m auf dem kompletten Wanderweg
- Schwierigkeit: mittel, Abschnitte mit Ketten, nicht für Höhenangst geeignet
- Kosten: kostenlos
Zu Fuß ab Benimaurell
- Entfernung: direkter, über den Grat
- Höhenunterschied: mit zusätzlicher Kletterei
- Schwierigkeit: mittel bis hoch
- Kosten: kostenlos
Wann hinfahren, was mitnehmen?
Am besten zwischen Oktober und Mai, fernab von Hitze und Gewittern: Im Sommer wird der Fels glühend heiß und die Kette brennt unter den Fingern, im Winter schneidet der Wind über den Sporn, und der Stein kann feucht und rutschig sein. Wer die Burg für sich allein haben will, kommt früh — ab 11 Uhr tauchen an Wochenenden lokale Gruppen auf. Bergschuhe mit griffiger Sohle sind Pflicht, glatte Sneaker ungeeignet. Weder Mülleimer noch Toiletten gibt es: Nimm eine Tüte mit, eine Stirnlampe, falls du bis zum Abend bleibst, und ein Seil nur, wenn du den Ketten nicht traust — für mobile Erwachsene ist es nicht nötig. Wer eine Burg mit Führung sucht, ist in Biar oder Villena besser aufgehoben; wer eine über dem Abgrund hängende Ruine mit Innenhof sucht, ist hier richtig. Je nach Startpunkt und ob du nur zur Burg gehst oder den ganzen Weg bis Orba läufst, dauert der Besuch zwischen zwei Stunden und einem halben Tag.
Was sich in der Nähe noch lohnt
Das Vall de Laguar füllt einen ganzen Tag. Steig die 6.000 Stufen des Barranco del Infierno hinab (PR-CV 147), iss in Fleix und wandere hinauf zur Serra de Xaló. Von Pego aus locken die Marjal mit ihren Stegen und Vogelbeobachtungsstationen, in Dénia schließen Burg und Montgó den Tag mit Meerblick ab. Wer weiter im Landesinneren bleiben will, verlängert die Route über Sella mit seiner Burg oder Confrides und den Aitana, ganz ohne Rückkehr an die überfüllte Küste von Benidorm.
Tip: Das letzte Stück ist eine 8 m hohe Plattenkante mit Ketten, aber ohne Geländer — nimm Handschuhe mit und geh nur bei gutem Wetter, ohne Kinder.
Häufige Fragen
Kann man mit Kindern zum Castell de les Atzavares hochsteigen?
Nein. Das letzte Stück ist eine 8 m hohe Plattenkante mit Ketten, dazu ein Innenhof ohne Geländer über 120 m Abgrund. Geeignet nur für schwindelfreie Erwachsene mit Bergschuhen.
Wie kommt man zum Castell de les Atzavares?
Von Campell über den Wanderweg SL-CV 185 (mit Kettenabschnitten) oder von Benimaurell auf direkterem Weg. Kein Bus; ab Pego nur mit Auto oder Taxi. Von Alicante aus 1 Std. 15 Min. über die Berge.
Ist der Besuch kostenlos?
Ja — als Bien de Interés Cultural ohne Öffnungszeiten oder Eintritt, aber eine gesicherte Ruine ohne Geländer oder Beleuchtung. Nimm Handschuhe für die Kette mit und verzichte bei Wind oder Regen auf den Aufstieg.
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